„Dehnen hilft nichts“ oder: Studien und ihre Aussagen

Wie oft höre ich in meinem beruflichen Alltag (gerade von jüngeren Sportlern) den Satz: „Aber diese australische Studie besagt doch, daß Dehnungsübungen (und Gymnastik) nichts bringen!“

In meinen Augen ist das ja eigentlich bloße Bequemlichkeit und eine ordentliche Portion Faulheit, aber meistens versuche ich dann doch, diese Studie zu erklären.
Aber hier zunächst mal die Studie:
Studie der Universität Sydney

Was steht nun drin in dieser Studie aus Australien, auf die sich die dehnungsfaulen und -unwilligen so gerne berufen? Und ganz nebenbei gefragt: warum sind die meisten davon eigentlich Fußballer?

Die Studie ist, ganz nebenbei bemerkt, übrigens „nur“ eine Meta-Studie, das heißt, es werden bereits vorhandene Studien miteinander verglichen und statistisch ausgewertet. Sie befasst sich mit der Frage, ob Dehnungsübungen vor dem Sport eine Verletzungsprophylaxe darstellen bzw. ob damit ein Muskelkater verhindert werden kann. Diese Fragestellung wird durch die Studie ganz klar verneint, also scheint es ja so, als ob die genannten Gymnastikmuffel recht hätten…?

Vielleicht aber auch nicht, denn schaut man auf die häufigsten Verletzungen bei Fußballern, dann sind zwar die Prellungen an erster Stelle, aber dicht gefolgt von Muskel- und Gelenkverletzungen. Mein Beispiel für Sportler ist dann immer folgendes:
„Stell Dir vor, Du läufst über den Platz und ein Gegenspieler kommt mit einer bösen Blutgrätsche reingerutscht. Dehnst Du nicht, dann haben wir die „ach-so-beliebte“ Adduktorenzerrung, also eine Verletzung der Oberschenkel-Innenseite. Was aber, wenn Du einen Spagat könntest? Dann würdest Du kaltlächelnd wieder aufstehen und einfach weiterspielen und am besten direkt ein Tor schießen“

Ich gebe also zu, daß ein einmaliges Dehnen vor dem Sport nichts oder nur wenig bringt, ABER: regelmäßige Übungen zur Verbesserung der allgemeinen Beweglichkeit und Flexibilität bringen sehr wohl etwas, einfach deswegen, weil der Körper nicht so schnell an seine (Bewegungs-)Grenzen stößt.

Damit sind wir auch schon am Punkt meiner Überlegungen: wie kommt es eigentlich, daß Studien so oft falsch verstanden werden? Ist es einfach die Mentalität der Menschen, sich nur die Rosinen aus dem Kuchen zu picken? Es steht zu befürchten…! Leider kann eine Studie eben nicht nur dazu verwendet werden, Dinge, Therapien oder Gewohnheiten als Humbug zu entlarven, sondern auch, um unliebsame Dinge, Therapien oder Gewohnheiten in Mißkredit zu bringen, aber dazu ein andermal mehr!
Insofern: Leute, bewegt Euch!

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